Softwareentwickler in Zeiten von KI
Braucht es im Zeitalter intelligenter Systeme überhaupt noch Entwickler?
Diese Frage schwirrt mir seit Beginn meiner Umschulung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung im Kopf herum. Tools, die Code vorschlagen, Fehler erkennen oder Funktionen automatisch generieren – es wirkt oft verlockend. Aber ist mein zukünftiger Beruf damit obsolet?
In der Praxis lernen wir schnell: Programmieren bedeutet weit mehr als tippen. Es geht um Problemlösung, um das Verstehen von Abläufen – und um den (persönlichen) Austausch mit den Menschen, für die wir Software bauen. Fachinformatiker liefern nicht nur Code, sondern gestalten Lösungen, die verstanden, verantwortet und weitergedacht werden.
Anwendungsorientierte Problemlösung statt blinder Automatisierung
Autonome Tools können Code aus Textbausteinen zusammensetzen – aber sie verstehen nicht den Hintergrund, die Motivation oder das Ziel hinter einem Projekt. In vielen Branchen, etwa im Automobilbau oder der Gesundheitsbranche, entstehen komplexe Anforderungen, in denen nur durch individuelles Nachdenken und Austausch praktikable Lösungen möglich werden.
Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering (IESE) wird deutlich: Tools können viele alltägliche Aufgaben erleichtern, aber die Verantwortung für Designentscheidungen, Qualitätssicherung und Anpassung an spezifische Anforderungen bleibt bei den Entwicklern. (iese.fraunhofer.de)
Vertrauen, Verantwortung und Qualitätssicherung
Nur Menschen übernehmen Verantwortung. Wenn Software sicher, robust und nachhaltig sein muss – sei es im Finanzsektor, in der Medizintechnik oder bei Online-Diensten – braucht es Perspektiven, die über Code hinausgehen.
Als Programmierer gehst du über reines „Copy-Paste“ hinaus: Du prüfst, hinterfragst und integrierst auch ethische, rechtliche und qualitative Aspekte. So entsteht Vertrauen – bei Kunden, Anwender und im eigenen Team.
Unterstützung statt Ersatz – gemeinsames Arbeiten mit smarten Tools
Viele Coder nutzen intelligente Tools, um effizienter zu arbeiten – und würden sie vermissen. Studien zeigen höhere Produktivität und Zufriedenheit durch deren Einsatz (faz.net).
Die Rolle der Entwicklerin wandelt sich vom reinen „Code-Schreiber“ hin zum Architekten, Prüfer und Gestalter, der den Output eines Tools verantwortet, hinterfragt und optimiert.
Branchenvergleich: Mehrwert menschlicher Entwickler bleibt zentral
Automobilindustrie: Komplexe Software in modernen Fahrzeugen erfordert menschliche Expertise. (faz.net)
Kommunikation: Strategische Entscheidungen, Tonalität und Kontextverständnis können automatisierte Zusammenfassungen nicht ersetzen. (it-daily.net)
Technologie beschleunigt, ersetzt aber nicht. Menschen bleiben die Treiber von Qualität und Mehrwert.
Persönlicher Blick – warum mein Weg Sinn macht
Für mich als Umschüler bedeutet das: Ich lerne nicht nur technisches Handwerk, sondern auch:
kritisches Denken,
Veränderungsbewusstsein,
Verständnis für Abläufe und Bedürfnisse.
Tools unterstützen mich, aber meine Aufgabe bleibt, Codes zu hinterfragen, zu prüfen und sinnstiftend einzusetzen. So bleibt meine Arbeit relevant – und wird sogar spannender.
Die Zukunft der Softwareentwicklung: Menschliche Expertise bleibt unverzichtbar
Die Vorstellung, IT-Spezialisten würden überflüssig, ist trügerisch. Vielmehr wandelt sich ihr Aufgabenfeld hin zu Verantwortung, Kreativität und menschlichem Urteilsvermögen. Technologien beschleunigen, Menschen gestalten.
Wenn du heute Entwickler wirst, lernst du nicht nur Software zu schreiben – du lernst, Bedeutung zu schaffen, Entscheidungen zu treffen und Vertrauen aufzubauen. Das macht deinen Beruf wertvoll – auch im Zeitalter moderner Tools.
TL; DR
Entwickler bleiben trotz intelligenter Tools unverzichtbar.
Tools unterstützen Routine, ersetzen aber nicht Kreativität, Verantwortung und Kundenverständnis.
Die Rolle wandelt sich: Vom reinen „Code-Schreiber“ hin zum Architekten und Gestalter von Softwarelösungen.
Für Auszubildende und Umschüler bedeutet das: Lernen, Probleme zu verstehen, Entscheidungen zu treffen und Mehrwert zu schaffen – das bleibt menschlich.
Maruf Frosch
29.08.2025